Personal











 

Personalarbeit in Krisenzeiten


26.03.2009
In vielen Personalabteilungen herrscht Krisenstimmung. Während die HR-Verantwortlichen noch vor wenigen Monaten intensiv Mitarbeiter rekrutierten oder an ihrem Talentmanagement feilten, denken sie heute über Kostensenkungen, Kurzarbeit oder Personalabbau nach. Wie Unternehmen ihre Belegschaft durch den Wirtschaftsabschwung steuern können, ohne zum Mittel der betriebsgedingten Kündigung zu greifen, ist ein beherrschendes Thema auf der Fachmesse PERSONAL2009, die gestern in München eröffnet wurde.

„Personalchefs spielen in der Krise eine sehr wichtige Rolle“, betonte Brigitte Hirl-Höfer, Director Human Resources von Microsoft Deutschland, auf der Pressekonferenz am ersten Messetag. Sie könnten zum Beispiel mit einer umsichtigen Personalstrategie dafür sorgen, dass Unternehmen für die Zeit nach dem Abschwung gewappnet sind. Auch Microsoft sei gegen die wirtschaftliche Entwicklung nicht immun. Der Elektronikkonzern hatte in den vergangenen Monaten Stellenkürzungen und ein umfangreiches Sparprogramm angekündigt. Gleichwohl sei es dem IT-Riesen nach wie vor wichtig, in seine Belegschaft und damit in die Zukunft des Unternehmens zu investieren. „Wir entwickeln für jeden Beschäftigten einen individuellen Karriereplan, von dem wir Entwicklungsschritte und Weiterbildungen ableiten“, so Hirl-Höfer. Auch das Recruiting liege nicht völlig brach. Erst im Januar startete Microsoft Deutschland ein Traineeprogramm mit 20 Nachwuchskräften. Denn: „Irgendwann ist diese wirtschaftliche Phase vorüber und dann beginnt der Wettbewerb um die besten Köpfe erst richtig.“

Diese langfristige Sicht fehle vielen Personalabteilungen zurzeit, kritisierte Prof. Dr. Armin Trost von der HFU Business School in Furtwangen. Aktuell führten viele Firmen »auf Sicht«, weil das Ende der Krise nicht erkennbar sei: „Eine langfristige Personalplanung kommt dabei zu kurz“, so Trost.

Beispiele aus der Praxis


Wie HR in der Krise die richtigen personalwirtschaftlichen Zeichen setzen kann, diskutierten die Teilnehmer einer Gesprächsrunde, zu der die Fachzeitschrift Personalwirtschaft geladen hatte. Ein erstes Ergebnis der Runde: Unternehmen sollten alle Möglichkeiten der Flexibilisierung ausschöpfen, bevor sie betriebsbedingte Kündigungen aussprechen. Dazu gehöre die Flexibilisierung der Arbeitszeiten ebenso wie die Vergütung und Qualifizierung.

Angesichts der Wirtschaftslage müssten Personaler zudem den Mut aufbringen, neue Wege zu gehen, unterstrich Siegfried Baumeister, Personalleiter des Autozulieferers Voss Automotive: „Eine Krise wie diese haben wir alle noch nicht erlebt – und daher müssen wir uns neue Instrumente und Methoden überlegen, mit denen wir sie bewältigen können.“ Als sein Unternehmen erste massive Umsatzeinbrüche verzeichnete, reagierte Baumeister prompt und entwickelte mit seiner HR-Abteilung einen Eskalationsplan. Darin definierte sein Team personalwirtschaftliche Instrumente, die auf verschiedenen Eskalationsstufen zum Einsatz kommen sollen – und von Gehaltsverzicht über Kosteneinsparungen bis hin zu Vertragsänderungen reichen.

Auch Karl-Heinz Stroh musste als Personalvorstand der Praktiker Bau- und Heimwerkermärkte neue Wege gehen. Sein Unternehmen hat erst kürzlich als erster Betrieb der Handelsbranche Kurzarbeit für 80 seiner 200 Märkte angemeldet. Die HR-Abteilung betrat damit Neuland. Denn während Kurzarbeit in der produzierenden Industrie und der Automobilbranche ein übliches Mittel der Krisenintervention bei Auftragseinbrüchen ist, schaffte Praktiker für den Handel einen Präzedenzfall: „Wir mussten neue Kriterien definieren, um der Bundesagentur für Arbeit nachzuweisen, dass unser Geschäft konjunkturell bedingt eingebrochen ist“, so Stroh. „Diese Kriterien wurden genauestens geprüft und die BA kontrolliert monatlich, ob wir sie einhalten.“ Auch Voss Automotive hat bereits zum Mittel der Kurzarbeit gegriffen. „Uns ist es zum Beispiel in einem Werk in Polen gelungen, alle Leute weiterzubeschäftigen, indem wir Arbeitszeiten und Gehälter um 20 Prozent reduziert haben“, berichtet Baumeister. Der HR-Praktiker sieht in der Rezession auch eine Chance für die Profession des Human Resource Managements: „Wenn wir mit unseren Instrumenten und Methoden erfolgreich dazu beitragen, die Krise zu meisten, werden wir als Personalfunktion gestärkt daraus hervorgehen.“

Dass personalwirtschaftliche Instrumente und Lösungen gerade in der Krise gefragt sind, zeigt auch die Entwicklung der Messe PERSONAL. Gegen den Trend verzeichnete die Fachmesse für Personalarbeit in Süddeutschland keinen Einbruch bei den Ausstellerzahlen, sondern konnte sogar zulegen: 248 Anbieter aus den Bereichen HR-Software, Personaldienstleistungen und -beratung sowie Weiterbildung stellen im M,O,C in München aus - 40 mehr als im Vorjahr. „Der Markt für HR-Dienstleistungen ist erstaunlich stabil“, betonte denn auch Alexander Petsch, Geschäftsführer des Veranstalters spring Messe Management, auf der Pressekonferenz. Einige Aussteller würden sogar von der Krise profitieren, etwa Anbieter von HR-Outsourcing oder Beratungsunternehmen, die sich auf Prozessoptimierung spezialisiert haben. Auch die Weiterbildungsbranche halte sich gut. Ihm räumt die Messe eine eigene Halle mit rund 80 Ausstellern ein.

Die PERSONAL2009, die am heutigen Donnerstag zu Ende geht, wartet am zweiten Messetag noch mit vielen interessanten Fachvorträgen und Podiumsdiskussionen auf. Wer das HR-Highlight in diesem Jahr verpasst, kann sich schon mal einen Termin für 2010 im Kalender vormerken: Die PERSONAL2010 findet am 27. und 28. April 2010 in der Messe Stuttgart statt.


Pressekontakt:

Stefanie Hornung
Pressesprecherin "PERSONAL"

spring Messe Management GmbH & Co. KG
Güterhallenstraße 18a
68159 Mannheim
Tel. +49 621 70019-72
Fax +49 621 70019-19
E-mail: s.hornung@messe.org

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